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Dorum-Neufeld: Was bleibt, wenn sich das Meer zurückzieht

Ein Kutterhafen, ein Wattenmeer und ein Ort, der sich festklebt. Was Dorum-Neufeld ausmacht und warum kaum jemand freiwillig den Koffer packt.

Von Ariane Jakomeit

Manchmal kaufe ich mir mittags ein Fischbrötchen. Hafen, fünf Minuten Pause, Möwen, Salzluft und dann zurück an den Schreibtisch. Mein Büro liegt in Dorum-Neufeld, mitten in unserem größten Ferienpark. Während andere hier Urlaub machen, arbeite ich. Irgendwann habe ich aufgehört, das als Gegensatz zu sehen. Dorum-Neufeld lässt das nicht zu.

Manche Orte brauchen eine Imagebroschüre. Dorum-Neufeld braucht Ebbe. Sie kommt zweimal täglich, zieht das Meer mit sich und hinterlässt Menschen, die plötzlich ganz langsam gehen. Das Ende dieser Geschichte kenne ich auswendig. Am Abreisetag sehen die Gäste trauriger aus als ich an einem Montagmorgen. Dorum-Neufeld klebt sich fest – leise, ohne Ankündigung.

 

 

Spielplatz Dorum-Neufeld

Wenn Kinder das Sagen haben

In Dorum sieht man Familien immer zweimal: einmal bei uns am Gastempfang bei der Ankunft, noch ein bisschen steif gestresst vom langen Autofahren. Und dann, spätestens am nächsten Morgen, wie sie einfach losgehen. Richtung Watt, Richtung Hafen, irgendwo hin, wo die Nordsee ist.

Auf der Leuchtturmwiese wartet ein Kletterpiratenschiff, das für mich das beste Spielgerät an der ganzen Wurster Nordseeküste ist. Gleich nebenan liegt das Watt’n Bad, eine Besonderheit an der Nordsee. Hier kann man auch bei Ebbe schwimmen, bei jedem Wetter, mit Wellen auf Bestellung. An einem verregneten Augusttag rettet es jeden Urlaub. An einem sonnigen konkurriert es mit dem echten Strand und verliert meistens knapp, weil das Watt nebenan einfach zu verlockend ist.

Was Kinder an  Dorum-Neufeld lieben: Watt, Spielplatz, den Leuchtturm Obereversand,  Krebse beobachten. Was Eltern lieben: dass alles zu Fuß erreichbar ist und niemand ins Auto gepackt werden muss. 

Wo der Tag seinen Rhythmus bekommt

Wer morgens über die Deichkrone kommt, sieht ihn sofort: den Hafen, die bunten Kutter, die fantasievollen Namen auf den Rümpfen. Eine Handvoll Kutter haben hier ihren Heimathafen. Sie richten sich nach den Gezeiten, nicht nach der Uhr, und das merkt man dem Hafen an. Er hat keine festen Zeiten. Er hat Ebbe und Flut.

Wenn die Kutter mit der Flut einlaufen, so etwa zwei Stunden vor Hochwasser, geht es schnell. Die Fänge werden ausgeladen, direkt ins Krabbensiebhus gebracht, mechanisch sortiert und gewogen. Kurze Zeit später ist alles vorbei. Wer Glück hat, kauft seinen Granat – so heißt die Nordseekrabbe hier – noch warm direkt vom Boot.

Mein Tipp: Schau vorher auf die Aushänge am Hafen, wann die Kutter einlaufen. Dann Hafenterrasse, Blick aufs Wasser, ein Krabbenbrötchen in der Hand. Den Rest erledigt Dorum von selbst.

Bei Ebbe verändert sich der Hafen noch einmal. Die Kutter sinken mit dem Wasser, bis die Rümpfe kaum noch über die Kaimauer ragen. Was vorhin noch Hafen war, ist plötzlich fast trocken. Es ist dasselbe Becken und sieht aus wie ein anderer Ort. Abends, wenn das Licht über dem Watt weicher wird und die Terrasse sich füllt, versteht man, warum hier kaum jemand einfach nur kurz vorbeischaut.

Das größte Naturschauspiel der Nordsee

Das Watt ist still auf eine Art, die man nicht erwartet. Nicht leer, sondern still. Und so weit, dass man irgendwann aufhört zu suchen, wo es aufhört.

Ich gehe fast täglich daran vorbei. Und trotzdem zieht es mich jedes Mal kurz aus dem Gedanken, in dem ich gerade war.

Alle sechs Stunden verändert sich die Landschaft vor Dorum-Neufeld komplett. Bei Flut schwappt das Meer manchmal bis an den Deich. Bei Ebbe zieht es sich zurück und gibt kilometerweit Watt frei, auf dem noch vor einer Stunde Nordsee war. 

Für uns, die wir hier leben, ist es einfach das Watt. Kein Weltnaturerbe, kein Nationalpark, einfach das Watt. Das ändert nichts daran, was es ist: eines der letzten großen Wattenmeere der Welt, UNESCO-geschützt, und trotzdem zugänglich. 

Wenn du dich hineintraust, barfuß oder mit Wattschuhen, spürst du das: Der Boden zieht unter den Füßen, Krebse huschen weg, Muscheln knacken. Es gibt nichts anderes mehr, an das du in diesem Moment denken musst.

Wer das zum ersten Mal macht, sollte mit einem Guide des Nationalparkhauses gehen,  nicht weil das Watt gefährlich klingt, sondern weil es das manchmal auch wirklich ist. Geführte Wattwanderungen starten direkt vor Ort, das ganze Jahr über, auch für Familien mit Kindern.

 

Hochsaison oder Nebensaison? So unterscheidet sich Dorum-Neufeld

Im Sommer ist Dorum-Neufeld lebendig. Familien auf dem Piratenspielplatz, Strandkörbe besetzt, die Hafenterrasse voll. Wer das mag – und viele mögen es genau so – ist hier goldrichtig.

Im Herbst und Frühjahr wird es ruhiger. Die Strände leerer, die Spaziergänge entspannter. Ich persönlich liebe den September und Oktober in Dorum: Das Licht ist anders, das Watt wirkt weiter, und wenn der Vogelzug beginnt, stehst du am Deich und kannst gar nicht aufhören zu schauen.

Im Sommer gehört der Ort den Familien. Im Oktober und danach gehört er fast dir allein.

Besonders für Hundebesitzer ist die Nebensaison kaum zu toppen. Leere Strände, endlose Deichspaziergänge und eine Freilaufzone direkt im Watt, die es so an der niedersächsischen Nordseeküste kein zweites Mal gibt. 

Mittendrin: Unser Ferienpark

Morgens schnell zum Bäcker. Mittags rüber zum Watt’n Bad. Nachmittags zum Hafen. Abends auf der Terrasse sitzen. Kein fester Tagesplan. Stattdessen Ferienhäuser und Ferienwohnungen mit voll ausgestatteter Küche. Und ein Hotel für alle, die es etwas komfortabler mögen.  Komm einfach vorbei. Dorum klebt sich fest, das weißt du jetzt ja.

Gummistiefel vopr dem Ferienhaus
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